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27. - 30.08.2010

LOKHALLE Göttingen

Linien verbinden Punkte, vernetzen Orte. Als Lebenslinien zeigen sie Entwicklungen und Brüche. Als Bus- oder Bahnlinien schaffen sie Zeittakte und Strukturen. Linien durchziehen Landschaften und Bilder, Linien bestimmen Architektur und - Linien prägen auch die Musik. Zu allererst auf dem Notenblatt, dann in den Strukturen der Komposition, schließlich in den Formen der Wiedergabe.
Mit ausgewählten Beispielen aus der Neuen und zeitgenössischen Musik beleuchtet das Festival „Linien - ein Festival für Neue Musik“ 4 Tage lang unterschiedliche Aspekte dieses Themas und experimentiert damit. Den Schwerpunkt bilden dabei Werke amerikanischer Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Anlass für Ort und Zeitpunkt des Festivals ist eine besondere Linie, die vom 25. August bis 10. September 2010 durch ganz Deutschland gezogen wird: im Rahmen des Projekts „sounding D“ wird ein Klangzug 15 Orte und Projekte des „Netzwerk Neue Musik“ – ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes – verbinden. So soll für die Neue Musik mehr öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz erzeugt werden. Der Zug startet am 25. August in Dresden und endet am 10. September in Eisenach, wo das 3-tägige Abschlussfestival „mittenDrin“ stattfindet. Musik 21 Niedersachsen, eines der 15 Projekte des „Netzwerk Neue Musik“, hat Göttingen als Haltepunkt für den Klangzug ausgewählt, weil hier 2004 beim Festival „Experiment Geschwindigkeit“ mit der erstmaligen Wiederaufführung von JOHN CAGE´s „Il Treno“-Projekt auf der Bahnstrecke zwischen Göttingen und Kassel die Grundidee des Klangzuges schon einmal erfolgreich umgesetzt wurde.
Musik 21 Niedersachsen bringt das Göttinger Festival „Linien -  ein Festival für Neue Musik“ und ein Schwesterprojekt in Goslar als niedersächsischen Beitrag zu „sounding D“ ein. Das Goslarer Festival „Linien – The Art Of Metal“ vom 19. bis 21. August findet im UNESCO Weltkulturerbe Rammelsberg statt und variiert das gemeinsame Thema „Linien“.

Mit der Lokhalle Göttingen ist für das Festival der ideale Veranstaltungsort gewählt. Die Assoziationskette Lokhalle – Lokomotiven – Eisenbahnen – Bahnlinien – Linien führt direkt zum Festival-Thema; die Raumkomposition „beschleunigung.lokhalle.9/04“ von DANIEL OTT, deren Zweitaufführung einer der Festivalhöhepunkte sein wird, ist speziell für diese Halle geschrieben worden.

Die Werke der Konzertprogramme des Festivals nähern sich dem Thema „Linien“ auf sehr unterschiedliche Weise. Von Stücken, die schon im Titel das Thema aufgreifen, über solche mit indirekten Bezügen bis zu Kompositionen, bei denen die Musiker in einer Linie aufgestellt sind, ist alles vertreten.
So werden z.B. im Programm des GÖTTINGER SYMPHONIE ORCHESTERS Entwicklungslinien in der zeitgenössischen amerikanischen Musik aufgezeigt: zum einen von GEORGE CHADWICK zu CHARLES IVES und zum anderen bei JOHN CAGE.
Das renommierte NOMOS-QUARTETT spielt neben STEVE REICHs berühmter Komposition „Different Trains“ ISABEL MUNDRYs Werk „Linien – Zeichnungen“. Seine musikalischen Linien werden von hoch differenzierten Klängen wie von Schlingpflanzen umrankt. Inspiriert vom Eindruck japanischer Gärten wechselt die Musik zwischen kontemplativer Ruhe und impulsiver Bewegung.
Das Konzert mit dem ENSEMBLE MODERN und Bundespreisträgern des Wettbewerbs „JUGEND MUSIZIERT“ gibt mit den Werken der amerikanischen und kanadischen Komponisten STEVE REICH, CHARLES IVES, CONLON NANCARROW und EDGAR VARESE einen Überblick über die Entwicklung der neuen amerikanischen Musik. REICHs Werke „Eight Lines“ und „city life“ stellen dabei eine großartige musikalische Auseinandersetzung mit dem urbanen Leben dar. Dieses Konzert ist gleichzeitig Abschlusskonzert des diesjährigen Meisterkurses des Projekts „EPOCHE F – NEUE MUSIK GÖTTINGEN“ der Stiftung JUGEND MUSIZIERT Niedersachsen, das hochbegabten jungen Preisträgern des Bundeswettbewerbs Meisterkurse mit der Internationalen Ensemble Modern Akademie ermöglicht. Es wurde nur in diesem Jahr in das Festival integriert.
Am „sounding D“-Tag des Festivals findet die Zweitaufführung der Raumkomposition „beschleunigung.lokhalle.9/04“ des Schweizer Komponisten DANIEL OTT statt. Seine Komposition setzt sich gezielt mit den räumlichen und akustischen Möglichkeiten der Lokhalle Göttingen auseinander und zieht Klanglinien durch die gesamte Halle. Die Musiker bilden zunächst eine Diagonale durch die Lokhalle und lassen Töne entlang dieser Linie durch den Raum eilen. Im Verlauf des Stücks wechseln sie ihre Positionen im Raum und lassen immer neue Klangräume und –Linien entstehen. Die Zuhörer bewegen sich während des Konzertes ebenfalls durch die Halle und können so die Musik aus immer neuen Perspektiven wahrnehmen.

An zwei Tagen wird die gesamte Lokhalle nachmittags zur Spielwiese für Experimente, Performances, Raum- und Klanginstallationen, Kooperationen und kleinere Konzertbeiträge werden. Der Eintritt für Zuhörer und Zuschauer ist frei, die Halle ist offen für alle. MusikerInnen, bildende KünstlerInnen und TänzerInnen vorwiegend aus Göttingen werden das Thema „Linien“ bei ihren Aktionen und Auftritten zum Leben erwecken. Im Vordergrund sollen dabei improvisierte Musik und Kooperationen von improvisierenden MusikerInnen mit TänzerInnen oder bildenden KünstlerInnen stehen.